Am Donnerstag, 11. Juni 2026, veranstalten die Auslandsgesellschaft.de e.V., die Mahn- und Gedenkstätte Steinwache und die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Dortmund e.V. einen Abendvortrag im Stadtarchiv Dortmund. Im Mittelpunkt steht ein Buch, das eine hartnäckige Fehlannahme der Erinnerungskultur angreift: dass Jüdinnen und Juden dem NS-Vernichtungsapparat passiv begegneten.
Prof. Dr. Stephan Lehnstaedt, renommierter Holocaust-Historiker, stellt sein neues Werk vor: „Der vergessene Widerstand – Jüdinnen und Juden im Kampf gegen den Holocaust” – die erste umfassende Gesamtdarstellung jüdischen Widerstands im NS-Staat und den besetzten Gebieten.
Ein Bild, das korrigiert werden muss
Das Bild vom hilflosen Opfer hat sich tief ins kollektive Gedächtnis eingegraben. Es ist falsch – oder zumindest gefährlich unvollständig. Widerstand gab es: in vielen Formen, an vielen Orten, von Menschen, deren Namen die meisten nicht kennen.
Auf knapp 300 Seiten zeigt Lehnstaedt, wie breit dieses Spektrum war: alltägliche Akte der Selbstbehauptung, organisierte Fluchthilfe, bewaffnete Aufstände wie im Warschauer Ghetto 1943. Menschen retteten Kulturgüter und Archivmaterial. Andere sabotierten Rüstungsbetriebe oder kämpften in Partisanenverbänden – oft auf Kosten des eigenen Lebens.
Lehnstaedt erzählt diese Geschichten nicht als Heldenepen, sondern als das, was sie waren: Entscheidungen von Menschen in ausweglosen Situationen. Er romantisiert nichts und relativiert das Ausmaß der Vernichtung nicht. Er erweitert den Blick – und gibt den Handelnden ihre Geschichte zurück.
Der Referent: Prof. Dr. Stephan Lehnstaedt
Stephan Lehnstaedt lehrt seit 2016 als Professor für Holocaust- und Jüdische Studien an der Touro University Berlin. Er forscht zu beiden Weltkriegen, dem Holocaust sowie Erinnerungskultur und Entschädigung – mit Fokus auf Deutschland und Polen. Seine Vorträge verbinden analytische Schärfe mit zugänglicher Sprache und werfen Fragen auf, die über den Abend hinaus wirken.
Antisemitismus ist in Deutschland keine historische Fußnote. Angesichts wachsender antisemitischer Vorfälle und Angriffe auf jüdische Einrichtungen bleibt die Auseinandersetzung mit jüdischer Geschichte gesellschaftliche Notwendigkeit – keine akademische Pflichtübung. Lehnstaedts Buch und Vortrag tun dabei etwas Konkretes: Sie verändern das Bild, das wir von Jüdinnen und Juden als historischen Akteuren haben. Wer Menschen nur als Opfer kennt, kennt sie nicht wirklich.
Die Veranstaltung findet statt am Donnerstag, 11. Juni 2026, von 19:00 bis 21:15 Uhr im Stadtarchiv Dortmund, Märkische Straße 14, 44122 Dortmund. Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung wird gebeten – per E-Mail an veranstaltungen@auslandsgesellschaft.de oder telefonisch unter 0231 838 00 19.
Weitere Informationen und die Möglichkeit zur sofortigen Anmeldung erhalten Sie hier: https://auslandsgesellschaft.de/veranstaltungen/stephan-lehnstaedt-der-vergessene-widerstand-juedinnen-und-juden-im-kampf-gegen-den-holocaust/







