Foad Gholinejad: Das Leben läuft nicht gradlinig

Als IT-Systemadministrator sorgt Foad Gholinejad dafür, dass in der Auslandsgesellschaft technisch alles reibungslos funktioniert. Doch hinter dem Kollegen mit dem freundlichen Lächeln verbirgt sich eine bewegende Lebensgeschichte.

Im Gespräch erzählt der 34-Jährige von seinem Neuanfang in Deutschland, schmerzhaften Erfahrungen, seiner klaren Haltung zu Integration und Freiheit – und von den Träumen, die ihn antreiben.

 

Foad Gholinejad (34) ist seit Februar 2024 in der Auslandsgesellschaft als IT-Systemadministrator tätig. Auf die Beine gestellt hat er die verbesserte IT-Infrastruktur für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – und zwar für das gesamte Haus.

Der Mann, der das Haus digital zusammenhält

Das ist schon eine Leistung. Aber dann die Vorstellung, was ist, wenn etwas nicht funktioniert, die Kolleginnen und Kollegen meckern und jede und jeder möglichst als Erste oder Erster möchte, dass der Fehler behoben wird – das ist noch einmal eine ganz andere Herausforderung. Doch auch das hat Foad souverän und meist mit einem Lächeln gemeistert. In den Etagen eins bis fünf ist es genauso wie anderswo: Geduld und Verständnis dafür, nicht immer sofort an der Reihe zu sein, bringt nicht jeder mit.

Ankommen in Deutschland – und erwachsen werden

Foad ist ein sehr sympathischer junger Mann, sein Lebenslauf ist schnell erzählt: Geboren 1991 im Iran, kam er am Tag der Deutschen Einheit – darauf weist er mit sichtbarem Stolz hin – am 3. Oktober 2016 nach Deutschland. Zunächst lebte er in Hamburg bei seiner Tante, die dort bereits seit rund 40 Jahren zu Hause war.

 

Von 2009 bis 2014 studierte er in seiner Heimat Maschinenbau. 2017 begann er dieses Studium in Wuppertal noch einmal, bevor er sich 2019 endgültig der Informatik zuwandte. Dass er seinen Master bisher nicht machen konnte, ärgert ihn. „Aber“, sagt Foad mit Überzeugung, „ich komme wieder nach oben.“

 

Als er in Hamburg ankam, sei er „wie ein Kind“ gewesen. Bis dahin hätten seine Eltern alles für ihn erledigt. Selbstständig zu leben habe er erst in Deutschland gelernt.

Foad Gholinejad

Zwischen Offenheit und Ausgrenzung

Doch zu seinem Neustart gehörten auch schmerzhafte Erfahrungen. Es habe viele Menschen gegeben, die nicht mit ihm sprechen wollten. „Das tut so weh“, sagt er. „Damit muss man erst einmal klarkommen.“ Gerade mit 25 Jahren, wenn man ein neues Land kennenlernen und Kontakte knüpfen möchte, sei das eine belastende Erfahrung gewesen.

Integration braucht klare Regeln

Was ihn heute beschäftigt, ist die gesellschaftliche Debatte über Migration. Viele Deutsche seien aus seiner Sicht zu naiv und nähmen Entwicklungen im eigenen Land nicht ausreichend wahr. Er kritisiert insbesondere, dass manche Politiker nicht akzeptieren wollten, dass nicht jeder Zuwanderer automatisch ein guter Mensch sei.

 

Für ihn gehört zu gelungener Integration vor allem eines: die Bereitschaft, sich an die Regeln des Landes zu halten. „Ihr müsst euch an die Regeln hier halten. Ihr seid hier Gast, ihr seid Einwanderer“, sagt er.

Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit

Über seine Heimat Iran spricht Foad mit großer Offenheit. Dort könne man kein freies und angenehmes Leben führen. Zu viel Kontrolle, zu viel Unterdrückung – insbesondere gegenüber Frauen.

 

Er teilt die Überzeugung der iranischen Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi, die sagt: „Das gläserne Gefäß, welches die Islamische Republik einschließt, werde von Frauen zerschmettert werden.“ Sie ist überzeugt, dass das Regime selbst dann, wenn es Kriege übersteht, am Widerstand der Frauen scheitern wird. Foad stimmt ihr zu.

 

Gleichzeitig mahnt er, der Westen müsse darauf achten, dass Religion – insbesondere der Islam – nicht zu großen Einfluss auf das öffentliche Leben gewinne. Religion sei Privatsache und gehöre seiner Ansicht nach nicht in den öffentlichen Raum.

Mit Ehrgeiz in die Zukunft

Wo sieht sich Foad in fünf Jahren? Die Frage bringt ihn sofort zum Erzählen. Zu seinem 30. Geburtstag habe er ein Video für sein 40-jähriges Ich aufgenommen. Darin gehe es vor allem darum, gesund und fit zu bleiben. Auch eine eigene Familie spielt darin eine Rolle. „Aber erst, wenn ich sie auch versorgen kann“, sagt er. „Wir Iraner haben da starke und große Ambitionen.“

Das Leben verläuft im Zickzack

Seine Lebensphilosophie fasst Foad in einem Satz zusammen: „Das Leben läuft nicht gradlinig. Es macht Zickzack und manchmal auch Schritte bergab, damit es wieder aufwärtsgehen kann.“ Diesen Gedanken hätten ihm schon seine Eltern mitgegeben. Heute ist er überzeugt, dass viel Wahrheit darin steckt.

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