Es war einmal in Amerika

Die Vereinigten Staaten waren lange ein Versprechen: ein Land der offenen Debatte, der künstlerischen Freiheit, der starken Zivilgesellschaft. Universitäten, Museen, Orchester, Medien – Räume, in denen Konflikte ausgetragen, aber auch neue Perspektiven gewagt wurden. Heute prägen andere Bilder die Schlagzeilen. Bücher verschwinden aus Schulbibliotheken, Lehrpläne werden zum politischen Streitfall, Ausstellungen geraten unter Druck, bevor die Vernissage beginnt. Kultur ist zum Kampfgebiet geworden – und die Frage drängt sich auf, ob das, was aus Amerika zu uns dringt, ein dortiges Phänomen bleibt oder uns längst angeht.

 

Die Auslandsgesellschaft.de lädt am 5. Oktober 2026 zu einem Abend, der diese Frage nicht beantwortet, sondern öffnet – mit zwei Stimmen, die das Land aus sehr unterschiedlichen Winkeln kennen.

Warum dieser Abend – warum bei uns?

Diskussionsforen gehören zum Kern unserer Arbeit. Sie sind die Form, in der wir internationale Entwicklungen ins Gespräch bringen, bevor sie zu Schlagworten gerinnen. Der transatlantische Austausch hat in Dortmund eine lange Tradition – getragen unter anderem von der Zusammenarbeit mit dem AmerikaHaus NRW e. V., das uns beim Thema USA seit Jahren begleitet. Dass der Abend im Konzerthaus stattfindet, ist kein Zufall. Auch dort wird in der Saison 2026/27 unter dem Bogen „250 Jahre USA” über Amerika nachgedacht – musikalisch wie diskursiv. Unser Diskussionsforum ergänzt diese Reihe um die politische und kulturpolitische Perspektive.

Die Leitfragen des Abends

Zwei Perspektiven, ein Gespräch

Elmar Theveßen

Als ZDF-Studioleiter in Washington berichtet Elmar Theveßen seit Jahren aus der politischen Realität eines tief gespaltenen Landes. Er kennt den Ton, die Strategien und die Verwerfungen amerikanischer Innenpolitik – und damit auch den Rahmen, in dem kulturelle Konflikte heute geführt werden. Theveßen hat mehrere Bücher über die USA veröffentlicht und gilt als einer der profiliertesten deutschen Beobachter des Landes.

Axel Rüger

Axel Rüger leitet die Frick Collection in New York, eines der renommiertesten Privatmuseen der USA. In seiner Arbeit treffen kuratorische Verantwortung, öffentliche Erwartung und der Druck einer hochpolitisierten Öffentlichkeit unmittelbar aufeinander. Rüger bringt jenen institutionellen Blick mit, der in der Debatte um den Kulturkonflikt USA oft fehlt: den aus dem Inneren eines Hauses, das Tag für Tag Entscheidungen treffen muss.

Elmar Theveßen

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Hintergrund: Kultur als politisches Kampffeld

Was unter Schlagworten wie Culture Wars oder Kulturkampf USA verhandelt wird, beginnt selten im Theater oder im Museum selbst. Es beginnt in der Politik – und schlägt von dort auf Bibliotheken, Lehrpläne, Förderpraxis und Programmentscheidungen durch. Bücher werden aus Schulen entfernt, ganze Studiengänge geraten unter Druck, kulturelle Institutionen sehen sich zu Stellungnahmen gezwungen, die noch vor zehn Jahren undenkbar gewesen wären. Hinter diesen Einzelkonflikten stehen größere Fragen, die nicht auf die USA beschränkt sind:

Wie viel Pluralität verträgt eine Gesellschaft, die in geschlossene Lager zerfällt?

Wer hat die Deutungshoheit über das, was als gemeinsames kulturelles Erbe gilt?

Welche Aufgabe hat öffentlich finanzierte Kultur in einer Demokratie, die sich selbst nicht mehr einig ist?

Auch in Europa wird dieser Streit längst geführt – manchmal als Echo amerikanischer Debatten, manchmal mit eigenen Vorzeichen. Der Abend will beides nebeneinanderstellen, statt das eine durch das andere erklären zu wollen.

Einordnung

Das Diskussionsforum ist Teil der Reihe, in der wir laufend internationale Themen mit Gästen aus Politik, Wissenschaft und Kultur aufgreifen. Eingebettet ist der Abend zudem in die Saison „250 Jahre USA” des Konzerthauses Dortmund, das anlässlich des 250. Jahrestags der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung ein vielstimmiges Programm zwischen Konzert, Liederabend und Dialog auflegt.

Veranstaltungsdetails im Überblick

5. Oktober 2026

19.30 Uhr bis 21.15 Uhr

15,00 Euro

Konzerthaus Dortmund, Brückstr. 21, 44135 Dortmund

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