Lehrer, Wissenschaftler, Niederlande-Experte und BVB-Fan: Dr. André Krause vereint viele Facetten. Seit 2023 ist er Teil der Auslandsgesellschaft und unterrichtet mit großer Leidenschaft Deutsch. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen jedoch nicht Grammatik oder Prüfungen, sondern die Menschen. Im Porträt erzählt er, warum Integration im Klassenzimmer beginnt, wie ihn seine Forschung zum Rechtspopulismus prägt und weshalb Respekt und Begegnung für ihn wichtiger sind als perfekte Noten.
Dr. André Krause hat das Zeug dazu, auf der Liste der interessantesten, vielseitigsten und dabei ohne abgehobene Allüren agierenden Kollegen zu stehen. Seit März 2023 arbeitet er bei der Auslandgesellschaft, seit März 2025 ist er festangestellter Lehrer und unterrichtet Deutsch.
Leidenschaft für den Umgang mit Menschen
Der Umgang mit Menschen, der Austausch, das soziale Miteinander – das ist es, was ihn antreibt. Er ist ein Lehrer, der seinen Beruf und nicht nur irgendeinen Job ausübt. Mit Leidenschaft, weil seine Arbeit für ihn bereichernd und sinnstiftend ist, widmet er sich seinen Aufgaben und insbesondere den positiven Aspekten, die ihm der Alltag bietet.
Dabei sind es nicht ausschließlich die leistungsstärksten Schülerinnen und Schüler, die ihn motivieren. Das kann auch jemand sein, dem das Lernen nicht so leichtfällt. Wenn gegenseitiger Respekt da ist und es auf der menschlichen Ebene harmoniert, dann ist das mitunter auch jemand, der die Prüfung nicht unbedingt besteht.
Integration beginnt im Klassenzimmer
An der Auslandgesellschaft macht ihm seine Arbeit besonders viel Spaß, „weil wir hier nicht nur einfach Lehrerinnen und Lehrer sind – wir sind Bestandteil der gelebten Integration.“ Das geht mit viel Lachen und einer gut miteinander verbrachten Zeit einher. Eine gute Atmosphäre im Kurs ist das A und O.
Experte für Rechtspopulismus

Dass André kein Mensch fürs Büro ist, macht er schnell klar. Obwohl: Er muss viel Zeit auch allein im stillen Kämmerlein verbracht haben. Schließlich ist er ein ausgewiesener und von Medien gefragter Experte, wenn es um Rechtspopulismus geht. Vor allem den Rechtspopulismus in den Niederlanden kennt er wie kaum ein anderer. Seine Doktorarbeit am Zentrum für Niederlande-Studien in Münster schrieb er zum Thema „Rechtspopulismus im Spiegel der niederländischen Presse 2001–2012“ und schloss sie mit magna cum laude ab.
Wie aus Interesse Expertise wurde
Aber warum ausgerechnet die Niederlande? – Weil er dort schon als Kind viel Zeit verbracht und Land und Leute lieben gelernt hat. Die Sprache beherrscht er natürlich. Nach einem sechswöchigen Kurs erreichte er mit dem NT2-Diplom bereits das Niveau B2. Später entwickelte sich seine Sprachkompetenz bis hin zum Niveau eines Muttersprachlers.
Arbeiterkind mit Ehrgeiz
Lernen und Lehren – das ist es, was ihn antreibt. Dabei war dieser Weg für ihn keineswegs selbstverständlich. Er hat ihn sich mit großem Ehrgeiz erarbeitet. Als Arbeiterkind des Ruhrgebiets musste er früh lernen, sich durchzusetzen.
Besonders geprägt hat ihn auch sein Zivildienst. Bei der Caritas betreute er einen körperlich schwerstbehinderten Grundschüler und erinnert sich noch heute an viele bewegende, aber vor allem schöne Momente. André lacht, wenn er von gemeinsamen Nachmittagen erzählt – von Alf-Kassetten, aufgezeichneten Tennismatches und einer Zeit, die ihn nachhaltig geprägt hat. Den Zivildienst möchte er bis heute nicht missen.
Vielfalt braucht unterschiedliche Perspektiven
Das mit dem Arbeiterkind verbindet. Und gleich sitzen wir – zumindest gedanklich – im Bundestag. Dort gibt es nur einen einzigen Abgeordneten, dessen Beruf Handwerker ist. „Was für ein Skandal!“, sagt André. Wo bleibt die Vielfalt? Auf der Strecke. Auch über das schnelle Einordnen in gesellschaftliche Blasen, die fehlende Offenheit für andere Perspektiven und den erhobenen moralischen Zeigefinger kommen wir ins Gespräch.
Wissenschaft statt Schlagzeilen
Journalist könnte André übrigens nicht sein. Dafür müsse bei ihm einfach alles stimmen. Und das sei im journalistischen Alltag oft nicht möglich. Recherchieren, überprüfen, schreiben – alles unter Zeitdruck und mit einer Deadline im Nacken. Für wissenschaftliche Genauigkeit bleibe dort kaum Raum.
Also bleibt er der Wissenschaft treu. Denn Wissenschaft, sagt er, sei keine Meinung – sondern belegbar. Dass die AfD als gesichert rechtsextrem eingestuft wird und eine ernst zu nehmende Gefahr für die Demokratie darstellt, sei das Ergebnis zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen. Viele Menschen würden diesen Unterschied zwischen Meinung und wissenschaftlicher Erkenntnis heute nicht mehr ausreichend wahrnehmen.
Warum Populismus erfolgreich ist
Doch warum gewinnen rechtspopulistische Parteien dennoch so viel Zustimmung? Eine Erklärung sieht André auch in der Sprache der politischen Mitte. Sie erreiche viele Menschen schlicht nicht mehr, weil sie häufig zu akademisch und zu weit von ihrer Lebenswirklichkeit entfernt sei. Das beobachtet er nicht nur in Deutschland, sondern ebenso in den Niederlanden. Geert Wilders hingegen arbeite mit klaren, zugespitzten Botschaften – Onelinern, die jeder versteht.
Ausgleich zwischen Büchern, Katzen und Borussia
Und was macht der Politikjunkie André, wenn er sich einmal nicht mit einem niederländischen Politik-Podcast beschäftigt? Dann kümmert er sich um seine drei Katzendamen. Wenn die ihre Streicheleinheiten bekommen haben, widmet er sich am liebsten dem Lesen, Schreiben und der Musik von Pink Floyd.
Und dann gibt es noch eine weitere große Leidenschaft: Borussia Dortmund. Als Dauerkartenbesitzer seit 1998 streift er sich regelmäßig das schwarz-gelbe Trikot über und geht gemeinsam mit seiner Ex-Frau – heute seine beste Freundin – ins Stadion. Von der Südostecke aus feuern beide ihren BVB an. Für André ist das der perfekte Ausgleich zu einem Alltag zwischen Unterricht, Wissenschaft und gesellschaftlichem Engagement.







